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Weshalb das Schweizer Vorsorgesystem veraltet ist und dringend Reformen benötigt

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Die Schweizer Altersvorsorge wurde seit den 80er Jahren nicht mehr geändert. Doch gesellschaftliche Veränderungen schreien nach Reformen – das System ist schon lange nicht mehr zeitgemäss. In diesem Artikel stellen wir Ihnen die zwei wichtigsten Veränderungen vor, die im Schweizer Vorsorgesystem nicht berücksichtigt werden: Neue Familienmodelle und neue Arbeitsstrukturen. Erfahren Sie mehr

01. Das Familienmodell im Wandel

Das Vorsorgesystem in der Schweiz basiert noch immer auf einem traditionellen Familienmodell. Die folgenden drei Trends unserer Gesellschaft sorgen dafür, dass diese Basis nicht mehr zur gesellschaftlichen Realität passt:

  • Neue soziale Rollen

Papa arbeitet Vollzeit, Mama kümmert sich zu Hause um die Kinder? Das ist in vielen Familien schon lange nicht mehr der Fall. Die sozialen Rollen von Mann und Frau haben sich in den letzten 30 Jahren massiv geändert. Im Vorsorgesystem spiegelt sich das jedoch nicht wider.

  • Scheidungen sind häufiger 

Heutzutage lassen sich mehr Menschen scheiden als noch vor 40 Jahren. Diese Entwicklung lässt sich schon länger beobachten: Während sich 1969 beispielsweise nur rund 26% der Ehepaare nach 30 Jahren scheiden liessen, waren es 1989 bereits 43%. Auch in den ersten Jahren scheitern mehr Ehen – 1991 erreichte man den Höchststand mit einer Scheidungsrate von 12% nach fünf Jahren.

  • Mehr Alleinerziehende und Patchwork Familien 

Laut dem Statistischen Bundesamt waren 2019 nur noch 71% der Haushalte klassische Ehepaare und Erstfamilien. 16,2% der Haushalte waren Einelternhaushalte und Patchwork Familien kamen auf einen Anteil von 6%. Bei rund 9,5% handelte es sich zudem um Konkubinats Paare.

Das Problem? Nichtverheiratete Eltern, Patchwork Familien und Alleinerziehende spielen in der Schweizer Altersvorsorge kaum eine Rolle. Schliesslich wurde das Bundesgesetz über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG) 1985 entworfen und seitdem nicht mehr geändert. Die Alters- und Hinterlassenen Versicherung (AHV) besteht ohne Änderung sogar seit 1948.

Die Arbeitswelt im Wandel

Nicht nur die Familienmodelle haben sich in den letzten Jahrzehnten gewandelt. Die Arbeitsstrukturen der siebziger und achtziger Jahre sind mit unserer heutigen Arbeitswelt ebenfalls kaum zu vergleichen. 

Das hat vor allem folgende Gründe: 

  • Mehr Teilzeit und Flexibilität

Früher arbeiteten fast alle Arbeitnehmer Vollzeit und blieben häufig ein Leben lang bei ihrem Unternehmen. Heute wechseln Menschen den Arbeitsplatz häufiger und arbeiten ausserdem häufiger in Teilzeit. Aufgrund des Koordinationsabzugs und der Eintrittsschwelle in der zweiten Säule sind solche Teilzeitarbeiter im beruflichen Vorsorgesystem benachteiligt.

  • Mehr Arbeitgeber 

Immer mehr Erwerbstätige arbeiten für mehr als einen Arbeitgeber. Das liegt unter anderem an der Plattformarbeit, die im Zuge der Digitalisierung in Zukunft vermutlich weiter steigen wird. Das Vorsorgesystem berücksichtigt solche Plattformarbeiter noch überhaupt nicht.

Was können wir daraus lernen?

Das Vorsorgesystem in der Schweiz basiert auf den gesellschaftlichen Strukturen in den 70er und 80er Jahren. Mit unserer heutigen gesellschaftlichen Realität hat das nur noch sehr wenig zu tun. Vor allem Individualisierung und Eigenverantwortung müssten im Vorsorgesystem stärker berücksichtigt werden. Patchwork Familien, Teilzeitarbeiter, Sabbaticals, zweite Studiengänge, Kinderauszeiten – solche und ähnliche Trends spielen im aktuellen Vorsorgesystem kaum eine Rolle. Reformen sind nötig, damit ein Grossteil der Gesellschaft bei der Vorsorge nicht benachteiligt wird.

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