Schuldenfalle Corona: Weshalb vor allem Niedrigverdiener ins Minus geraten

Menschen mit niedrigem Einkommen leiden unter der Pandemie am meisten. Laut einer Studie der Konjunkturforschungsstelle (KOF) gingen Haushaltseinkommen von unter 4.000 Franken pro Monat im Durchschnitt um 20 Prozent zurück. Wir haben uns die Studie durchgelesen und erklären die Hintergründe. Erfahren Sie mehr

Weniger Sparmöglichkeiten

Während Niedrigverdiener leiden, kamen Haushalte mit höherem Einkommen besser durch die Pandemie. Bei einem Haushaltseinkommen von mehr als 16.000 Franken pro Monat verringerte sich das Einkommen im Durchschnitt „nur“ um 8 Prozent. Für die Studie der Konjunkturforschungsstelle (KOF) wurden ab März 2020 rund 200.000 Personen in sechs Erhebungen befragt.

Wie lässt sich der Unterschied zwischen Niedrig- und Besserverdiener erklären? Vermutlich liegt es daran, dass Personen mit weniger Einkommen weniger Sparmöglichkeiten haben. Auch arbeiten viele Niedrigverdiener in Branchen, die von der Pandemie zumindest zwischenzeitlich ausgeknockt wurden –  Hotellerie, Kultur und Tourismus oder Gastronomie. In solchen Branchen gibt es zudem viele Teilzeitarbeiter auf Stundenbasis, die für Arbeitgeber “einfach” zu entlassen sind.

Das führt uns auch schon zum nächsten Punkt:

Ein Drittel wird arbeitslos

Das ist heftigste Statistik aus der KOF-Studie. Etwa ein Drittel der Befragten aus Haushalten mit einem Einkommen von weniger als 4000 Franken verloren während der Pandemie ihren Job. Sie mussten dann Kurzarbeitsgeld beziehen und/oder während der Krise von Ersparnissen leben – laut der Studie deckten 39% der Betroffenen laufende Kosten durch Ersparnisse. Jede neunte Person dieser Einkommensklasse landete in der Schuldenfalle.

Die Erwerbssituation ist entscheidend

Wer verschuldete sich während der Pandemie und wer nicht? Wenig überraschend, spielt die Erwerbstätigkeit eine wichtige Rolle. Wer während der Pandemie weiterarbeiten konnte, verzeichnete im Durchschnitt kaum oder gar keine Einkommenseinbussen. Wer dagegen deutlich weniger verdiente oder in die Erwerbslosigkeit rutschte, landete häufig in der Schuldenfalle.

Prekär war die Krise auch für bereits verschuldete Personen. Weniger Einkommen oder gar Einkommensausfälle führten dazu, dass sie Abzahlungspläne nicht mehr einhalten konnten. Laut dem Bundesamt für Statistik leben 42,5 Prozent der Schweizer in einem Haushalt mit mindestens einer Verschuldung. Vor allem Steuerschulden (8,7 % der Bevölkerung) und Zahlungsrückstände bei Krankenkassenprämien (5,9 % der Bevölkerung) sind relativ weit verbreitet.

Zusammenfassung

Die Coronakrise hat uns alle getroffen. Wie die KOF-Studie zeigt, litten Haushalte mit weniger als 4.000 Franken pro Monat jedoch ganz besonders unter der Krise – mit durchschnittlich 20 Prozent weniger Einkommen. in dieser Einkommensklasse rutschten ausserdem viele Menschen in die Erwerbslosigkeit. Mit der steigenden Impfrate wird sich das hoffentlich in in absehbarer Zeit ändern.

Über den Autor

Sebastian Seiler

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